Organisationsentwicklung · Kulturanalyse · 2016
Kulturanalyse im Kulturpark Zürich
Wie entsteht Zusammenarbeit, wenn unterschiedliche Unternehmen und Organisationen an einem Ort gemeinsame gesellschaftliche Ziele verfolgen? Und warum bleibt das Potenzial eines Netzwerks mitunter ungenutzt?
Ein gemeinsamer Ort – viele unterschiedliche Organisationen
Der Kulturpark in Zürich-West vereint Wohnen, Arbeiten, Bildung und Kultur. In seinen Bürogebäuden kamen 2015 rund 25 Unternehmen und Organisationen zusammen, vor allem aus den Bereichen Beratung, Bildung und Gesundheit. Sie verband die Idee, gemeinsam zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft beizutragen.
Die räumliche Nähe und die gemeinsame Vision versprachen neue Kontakte, fachlichen Austausch und gemeinsame Projekte. Ob aus diesen Voraussetzungen tatsächlich ein funktionierendes Netzwerk entstehen würde, war zu Beginn jedoch offen.
Im Rahmen meines MAS Corporate Development an der FHNW untersuchte ich 2016 für die Hamasil Stiftung, wie die Beteiligten die Situation erlebten, welche Erwartungen sie hatten und wo sie Stärken, Schwächen, Chancen und Hindernisse sahen.
Individuelle Wahrnehmungen systematisch untersuchen
Für die Untersuchung setzte ich die Repertory-Grid-Technik mit der Software nextexpertizer ein. Im Unterschied zu einem standardisierten Fragebogen formulierten die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner ihre eigenen Begriffe und Gegensatzpaare. Anschliessend bewerteten sie damit verschiedene Aspekte des Kulturparks, ihrer Organisation und der angestrebten Zusammenarbeit.
So liessen sich persönliche Vorstellungen differenziert erfassen, miteinander vergleichen und zu gemeinsamen Themen verdichten. Die Methode verbindet die Offenheit qualitativer Interviews mit der strukturierten Auswertung quantitativer Daten.
Von den 38 Gesprächen fanden 34 mit Personen aus dem Netzwerk und vier mit externen, mit dem Projekt vertrauten Personen statt. Erfasst wurden rund 17 % der damals im Kulturpark Arbeit tätigen Mitarbeitenden. Insgesamt entstanden rund 12'500 Datenpunkte.
Drei Perspektiven auf das Netzwerk
Die Auswertung zeigte keine einheitliche Wahrnehmung des Kulturparks. Stattdessen liessen sich die 38 Befragten anhand ihrer Beurteilungen in drei Gruppen mit unterschiedlichen Erwartungen und Erfahrungen einteilen.
Gruppe A (18 Personen) sah eine vielversprechende Zusammensetzung der Organisationen, vermisste aber Orientierung, nachvollziehbare Strukturen, Kontaktmöglichkeiten und Freiraum für Eigeninitiative.
Gruppe B (10 Personen) erkannte engagierte und glaubwürdige Partner. Für eine wirkungsvolle Zusammenarbeit fehlten jedoch gemeinsame Anknüpfungspunkte und Gelegenheiten, konkrete Projekte zu entwickeln.
Gruppe C (10 Personen) fühlte sich bereits gut eingebunden und gestaltete das Netzwerk aktiv mit. Für diese Personen waren noch unvollständige Strukturen kein entscheidendes Hindernis.
Was die Kulturanalyse sichtbar machte
Stärken
Eine überzeugende Vielfalt von Organisationen, gemeinsame Grundwerte und das Potenzial für glaubwürdige Partnerschaften.
Schwächen
Zu wenig persönliche Begegnung, unklare Erwartungen und teilweise fehlende Transparenz über Ziele und Zuständigkeiten.
Chancen
Interdisziplinäre Zusammenarbeit, gegenseitige Unterstützung und neue Ideen aus gemeinsamen Interessen und Projekten.
Risiken
Überregulierung, bürokratische Hürden und eine Vernetzung, die als Verpflichtung statt als eigener Mehrwert erlebt wird.
Die gemeinsame Vision und die räumliche Nähe waren vorhanden. Entscheidend für die weitere Entwicklung war, daraus echte Beziehungen, Eigeninitiative und Zusammenarbeit entstehen zu lassen.
Was ich aus dem Projekt mitgenommen habe
Die grösste Herausforderung bestand nicht darin, möglichst viele Daten zu erheben, sondern die unterschiedlichen Sichtweisen ernst zu nehmen und daraus eine nachvollziehbare Gesamtsicht zu entwickeln. Die Gespräche, die Arbeit mit persönlichen Konstrukten und die anschliessende Auswertung verlangten methodische Disziplin, Einfühlungsvermögen und den bewussten Umgang mit Komplexität.
Eine Erkenntnis bleibt auch über den Kulturpark hinaus interessant: Zusammenarbeit lässt sich nicht allein durch organisatorische Vorgaben herstellen. Gemeinsame Ziele entfalten ihre Wirkung erst, wenn Menschen einander begegnen, Verantwortung übernehmen und Gestaltungsspielraum erhalten.
Als Sohn des Kulturpark-Initiators Martin Seiz hatte ich einen persönlichen Bezug zum Projekt. Die Arbeit führte ich jedoch unabhängig von ihm durch. Diese besondere Nähe und ihren möglichen Einfluss auf die Interviews reflektiere ich in der Master-Thesis ausdrücklich.
Die Untersuchung beschreibt die Aufbauphase im Frühjahr 2016. Ihre Ergebnisse sind eine historische Momentaufnahme und keine Beurteilung der heutigen Situation im Kulturpark. Die Stichprobe war zudem nicht zufällig gewählt; einzelne Organisationen waren unter- oder übervertreten.
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Die vollständige Master-Thesis «Kulturanalyse im Kulturpark» (FHNW, 2016) umfasst 103 Seiten mit ausführlicher Beschreibung der Methode, Untersuchungsergebnissen und zahlreichen Auswertungsgrafiken.
Interessierten stelle ich die Arbeit auf Anfrage gerne zur Verfügung.
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Stefan P. Seiz · Master-Thesis Corporate Development, FHNW Olten · Praxispartner: Hamasil Stiftung · Mai 2016